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Forschungsdaten finden

Die stetige Weiter- und Neuentwicklung von Methoden der Datenverarbeitung wirken sich auch verändernd auf Forschungsmethoden und -interessen aus. Auch das Teilen von Forschungsdaten wird durch zunehmend leistungsstärkere Systeme, zielgruppenorientierte Publikations- und zuverlässige Archivierungssysteme gängiger. Daraus ergibt sich die Gelegenheit, veröffentlichte Forschungsdaten nachzunutzen und Forschung so zeitlich wie ökonomisch effizienter zu gestalten. Darüber hinaus kann die Betrachtung und Neukombination von Daten für Metaanalysen, zur Optimierung von Studiendesigns und Methodenforschung, für Modellkalibrierungen, Längs- und Querschnittsvergleiche und zwecks Überprüfung eigener Ergebnisse gewinnbringend sein. Eine Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen des Datenteilens finden Sie auf unserer Themenseite zu Veröffentlichen und Archivieren.

Tipps zur Nachnutzung von Daten und zur Vorbereitung eigener Daten zu diesem Zweck sind unter Daten nachnutzen zu finden.

Die Recherche nach geeigneten Forschungsdaten kann als Teil der regulären Recherche zum Stand der aktuellen Forschung verstanden werden. Anders als Textpublikationen werden Forschungsdaten nicht unbedingt an alle relevanten Suchsysteme wissenschaftlicher Literatur (Volltextdatenbanken, Google Scholar, etc.) ausgeliefert. Ähnlich wie bei traditioneller grauer Literatur ist es allerdings möglich, mit passenden Methoden fündig zu werden. Mit gängigen Techniken der Literaturrecherche (Verwendung kontrollierter Vokabulare, Suche in geeigneten Oberflächen/Datenbanken und Nutzung disziplinärer Angebote) ist auch die Recherche nach Datensätzen möglich. Voraussetzung dafür ist, dass Publizierende ihre Datensätze ausreichend mit Metadaten beschreiben.

Wo Forschende Daten finden

Die besten Quellen für veröffentlichte Forschungsdaten sind in der Regel Datenportale, Forschungsdatenzentren, Datenbanken und disziplinäre Datenrepositorien. Weiterhin sind viele Daten als Teil oder im engen Zusammenhang mit wissenschaftlichen Artikeln publiziert (referenziert oder als Supplemental Material/Anhang). Um Quellen von Forschungsdaten zu finden, können verschiedene Strategien gewählt werden:

Disziplinäre Suche in Datenportalen, Forschungsdatenzentren, Datenbanken und Repositorien

Datenportale

Auf unseren Seiten zu disziplinären Angeboten finden Sie Hinweise zu den zuständigen Forschungsdatenzentren sowie NFDI-Konsortien. Diese pflegen oft disziplinäre Datenportale oder Rechercheoberflächen. Ähnliche Aufgaben übernehmen teilweise Fachinformationsdienste. Hier können Sie zielgerichtet und mit kontrolliertem Vokabular recherchieren.

Datenbanken / Datenzentren für offene Verwaltungsdaten / Repositorien

Datenbanken und Datenzentren publizieren oft die Daten einzelner Institutionen oder großer andauernder Forschungsprojekte (z. B. das DWD Geoportal für Klima- und Wetterdaten des DWD). Auch Daten der öffentlichen Verwaltung werden durch Datenzentren verfügbar gemacht. Quellen für offene Verwaltungsdaten sind z. B.

Recherche in Repositorien, also direkt am Publikationsort, ist vor allem in einschlägigen disziplinspezifischen Repositorien sinnvoll (z. B. zu einem bestimmten Thema/Unterdisziplin). Hier ist die Wahrscheinlichkeit, thematisch passende Datensätze zu finden, höher. Diese Herangehensweise birgt allerdings das Risiko, relevante Datensätze zu übersehen, da nicht alle Daten über disziplinspezifische Repositorien veröffentlicht werden. Man könnte dieses Vorgehen mit Literaturrecherchen in einzelnen Zeitschriften vergleichen: Man findet nur die Artikel bzw. Daten, die in den entsprechenden Zeitschriften bzw. Repositorien veröffentlicht sind.

Beispiele für die Recherche nach Datenbanken, -zentren und -repositorien:

Übergreifende Suche in Datenportalen oder Index-Services

Eine breitere, dafür aber auch unschärfere Suche ist in Index-Services möglich. Diese haben in der Regel einen anderen Fokus als disziplinäre Repositorien (z. B. Darstellung von Zitationsbeziehungen, Open-Access-Status oder ähnliche bibliometrische Angaben).

Da die geharvesteten Daten nicht kontrolliert werden, ist eine Suche sowohl nach kontrolliertem Vokabular als auch nach Synonymen sinnvoll. Einige Index-Services bieten auch die Einteilung nach Themenbereichen an.

Beispiele für Recherchetools in übergreifenden Index-Services:

Recherche über Artikel

Ähnlich wie bei der klassischen Literaturrecherche ist oft ein Blick in das Quellenverzeichnis relevanter Forschungsartikel interessant. Viele Verlage fordern von den Autor*innen so genannte „Data Availability Statements“, in denen über (Nicht-)Verfügbarkeit von Daten und ihren Ablageort informiert wird.

Noch immer ist die Publikation von Daten als Anhang verbreitet. Auch wenn diese in (Verlags-)Repositorien gespeichert werden, ist quasi unmöglich, sie in einer Recherche abzudecken (v. a. wegen mangelhafter Metadaten). Die Nachnutzung von Supplementary Data wird oft durch ungeeignete Dateiformate (ungeeignet sind z. B. PDF für Tabellen, oder proprietäre Formate von Messgeräten) und Closed-Access-Publikation erschwert oder verhindert. Fragen Sie in diesem Fall bei den Corresponding Authors nach!

Datenjournale

Neben den klassischen wissenschaftlichen Fachzeitschriften für Artikel, in denen Forschungsergebnisse beschrieben und interpretiert werden, gibt es Datenjournale (data journals), in denen Artikel publiziert werden, die Daten ausführlich beschreiben, sie jedoch nicht interpretieren.

Datenjournale helfen bei der Recherche und dienen der Verringerung des Aufwandes bei Evaluation und Einordnung von Datensätzen.

Auf unserer Seite zu Datenjournalen stellen wir Links zu Listen mit Datenjournalen zur Verfügung. Auch in der EZB gibt es eine Liste zu Zeitschriften der Kategorie „Data Jornal“.

Daten finden für Informationseinrichtungen

Für Forschungseinrichtungen gelten veröffentlichte Datensätze zunehmend als Publikationen, welche in das Berichtwesen einfließen. Für sie ist es aus diesem Grund notwendig, einen Überblick über die Datenpublikationen „ihrer“ Forschenden erhalten.

2024 wurde ein umfassender Report der AG „Sammlung und Sichtbarkeit von Forschungsdaten der eigenen Institution“ des Kompetenzzentrums GO Unite publiziert. Dieser setzte sich mit Regelungen, Sammlungsansätzen sowie möglichen praktischen Umsetzungen auseinander und bietet einen hilfreichen Einstieg. Einen Use Case inkl. Open Source Workflow veröffentlichte Bryan Gee (University of Texas).

Problematisch sind vor allem die variierende Metadatenqualität unterschiedlicher Repositorien, vor allem fehlende, unvollständige oder unterschiedliche Schreibweisen der Affiliationen. Eine Lösung dafür kann eine empfohlene oder verpflichtende Schreibweise von Affiliationen sowie die Nutzung von ROR-IDs sein. Institutionelle Policys können dabei unterstützen, entsprechende Maßnahmen auf institutioneller Ebene umzusetzen.

Sofern die ORCIDs von den Forschenden gepflegt werden, können Institutionen über die ORCID API öffentliche Informationen abrufen und so die Publikationen ihrer Mitarbeitenden dem Forschungsinformationssystem hinzufügen.

Ein weiterer vielversprechender, wenn auch zeitaufwändigerer Ansatz ist die Suche nach den Namen affiliierter Personen anstatt des Einrichtungsnamens (vgl. Stock, Reichmann, Schlögl (2025)).


Zitiervorschlag (Chicago)

Redaktion von forschungsdaten.info. „Forschungsdaten finden“. forschungsdaten.info, 10. Februar 2026. Link.