Forschungsdatenmanagement in der Betriebswirtschaftslehre
Die Betriebswirtschaftslehre beschäftigt sich mit wirtschaftlichen Entscheidungen in Unternehmen und Organisationen – etwa bei der Gestaltung von Produktionsprozessen, dem Vertrieb von Produkten oder dem Umgang mit Mitarbeitenden, Märkten und Ressourcen. Sie nutzt dafür eine Vielzahl von Methoden, die nicht nur aus der eigenen Disziplin stammen, sondern auch aus angrenzenden Bereichen wie der Ökonometrie, der Psychologie, den Sozialwissenschaften, der Informatik oder den Rechtswissenschaften. Entsprechend vielfältig sind auch die Arten von Daten, die in der betriebswirtschaftlichen Forschung entstehen und verwendet werden.
Zu den typischen Datentypen zählen strukturierte Umfragedaten, Finanz- und Transaktionsdaten, qualitative Interviews, Daten aus Experimenten, Social-Media-Inhalte, Protokolle oder maschinell erhobene Logdaten. Zunehmend spielen auch unstrukturierte Daten eine Rolle, etwa in der Analyse digitaler Unternehmensberichte, bei der Arbeit mit großen Textkorpora oder im Zusammenhang mit KI-Anwendungen. Diese Vielfalt stellt besondere Anforderungen an ein sorgfältiges Forschungsdatenmanagement.
Ein zentraler Ansprechpartner für Fragen rund um das Management von Forschungsdaten in der Betriebswirtschaftslehre ist BERD@NFDI. Das Konsortium ist Teil der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) und entwickelt Angebote, Services und Empfehlungen, die speziell auf die Bedarfe der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung zugeschnitten sind. Unterstützt wird dies durch ein breites Netzwerk aus Hochschulen, Bibliotheken, Rechenzentren und weiteren Partnern.
Ein weiterer zentraler Ansprechpartner ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin): Hier ist das Forschungsdatenzentrum Betriebs-und Organisationsdaten (FDZ-BO) angesiedelt. Herbei handelt es sich um ein zentrales Archiv für quantitative und qualitative Betriebs- und Organisationsdaten. Es archiviert diese, informiert über deren Bestand und stellt Datensätze für sekundäranalytische Zwecke zur Verfügung. Nähere Informationen finden Sie auf den Seiten des DIW. Ebenfalls zentral ist das ZBW Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft, dieses bietet auf seiner Webseite einen Katalog für Open-Science-Tools. Dieser Katalog beinhaltet auch diverse Tool zu Forschungsdaten und Forschungsdatenmanagement. Ferner ist an dieser Stelle der RatSWD zu erwähnen sowie das eng mit ihm verbundene NFDI-Konsortium KonsortSWD - NFDI4Society. Dieses Konsortium informiert umfassend zum Forschungsdatenmanagement in den Sozial-, Verhaltens- und Wirtschaftswissenschaften und bietet praktische Empfehlungen, Materialien und Ansprechpersonen für alle Phasen des Datenlebenszyklus.
Im Folgenden finden Sie einen Überblick über zentrale Angebote und Hilfestellungen zum Forschungsdatenmanagement in der Betriebswirtschaftslehre. Wenn Sie ein Thema vermissen, Fragen haben oder Ergänzungen vorschlagen möchten, freuen wir uns über Ihre Mail.
Informieren und Planen
Bereits in der Planungsphase eines Forschungsprojekts lohnt es sich, das Thema Forschungsdatenmanagement systematisch zu berücksichtigen. Ein frühzeitig erstellter Datenmanagementplan hilft dabei, Anforderungen realistisch einzuschätzen und die Qualität sowie Nachvollziehbarkeit der Forschung langfristig zu sichern. Je nach Förderinstitution – national wie europäisch – können sich die Anforderungen an einen solchen Plan unterscheiden.
Informationen zur Planung des Umgangs mit Unternehmensdaten finden Sie in unserem Text Umgang mit Unternehmensdaten planen.
Die Leitlinien der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stellen ein Beispiel für eine zentrale Orientierungshilfe dar und können eine wichtige Grundlage für den Umgang mit Forschungsdaten in Projektanträgen bilden. Sie benennen zentrale Aspekte wie die Beschreibung der Datengrundlage, Maßnahmen zur Qualitätssicherung, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die dauerhafte Nachnutzung von Daten. Für die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften steht zusätzlich die folgende fachspezifische Orientierungshilfe zur Verfügung: Managing Research Data: What does Review Board 1.24 “Economic Sciences” expect of applicants?
Speziell für die Betriebswirtschaftslehre hat BERD@NFDI eine eigene Handreichung zur Erstellung von DFG-Projektanträgen entwickelt: Reporting Research Data Use for DFG Project Proposals in the Business and Economic Sciences. Diese ergänzt die allgemeinen DFG-Vorgaben durch fachspezifische Hinweise zur Umsetzung der FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable), zur Reproduzierbarkeit wirtschaftswissenschaftlicher Forschung und zur sinnvollen Nutzung der BERD@NFDI-Plattform. Die Handreichung gibt strukturierte Empfehlungen für folgende Abschnitte im Antrag:
- (A) Beschreibung der Daten
- (B) Dokumentation und Datenqualität
- (C) Speicherung und technisches Backup
- (D) Rechtliche Rahmenbedingungen
- (E) Austausch und dauerhafte Verfügbarkeit der Daten
- (F) Verantwortlichkeiten und Ressourcen
Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen Aspekten stärkt nicht nur die Antragstellung, sondern trägt auch wesentlich zur Qualität und Nachhaltigkeit der Forschung bei.
Organisieren und Aufbereiten
In den Bereichen Wirtschaft, Wirtschaftswissenschaften und Sozialwissenschaften ist die Erkundung von Daten von entscheidender Bedeutung. Die optische Zeichenerkennung (OCR) hebt sich als ein transformatorisches Werkzeug hervor, das Forschern ermöglicht, in gescannten Dokumenten zu recherchieren und effizient wertvolle Daten zu extrahieren.
Moderne Texterkennungstechnologie wandelt historische und moderne Dokumente, die nur in nicht bearbeitbaren Formaten vorliegen, in digitale Daten um, die effektiv durchsucht, analysiert und gespeichert werden können. Dies ermöglicht ein tieferes Verständnis vergangener Geschäftstrends und wirtschaftlicher Verschiebungen, was für die vorausschauende Analyse und zukünftige Markenstrategien entscheidend ist. Es bietet auch unschätzbare Einblicke in historische soziale Muster und Verhaltensweisen.
Als solches ist OCR/HTR eine wichtige technologische Unterstützung, um die Vergangenheit mit der Zukunft sowohl in der Geschäfts- als auch in der Sozialforschung zu verbinden. Bestehende und zukünftige BERD-OCR-Dienste werden Forschenden weiterhin helfen, diesen Datenschatz zu entschlüsseln, zu erforschen und zu teilen.
Darüber hinaus bietet das von BERD@NFDI gestaltete Tool Getting Stuff Done einen schnellen Zugang zu innovativen Anwendungen – von Natural Language Processing bis Computer Vision – und unterstützt Sie dabei, passende KI-Tools für Ihre Forschungsprojekte zu finden.
Veröffentlichen und Archivieren
Das ZBW Leipniz-Informationszentrum Wirtschaft setzt sich national und international dafür ein, dass Forschungsergebnisse in den Wirtschaftswissenschaften offen zugänglich sind. In diesem Zusammenhang bietet es auf seiner Webseite einen Überblick über Datenrepositorien und Datenportale. Auch re3data bietet einen Überblick über Repositorien im Bereich Economics.
Der von BERD@NFDI gestaltete Service Open (Big) Data ermöglicht Ihnen den Zugang zu hochwertigen, relevanten Datensätzen und bietet zugleich die Möglichkeit, eigene Daten sichtbar zu machen und zur Nachnutzung bereitzustellen.
Finden und Nachnutzen
Der BERD Research Data Marketplace verbindet Forschende mit exklusivem und sicherem Zugang zu wertvollen Unternehmensdaten. Über ein antragsbasiertes System können Forschende mit Organisationen zusammenarbeiten, die dabei die volle Kontrolle über ihre Daten behalten und gleichzeitig wirkungsvolle Forschungspartnerschaften ermöglichen.
Rechte und Pflichten
BERD@NFDI unterstützt bei der Aufbereitung von Forschungsdaten für wirtschaftswissenschaftliche DFG-Anträge sowie bei rechtlichen Fragen rund um Datenschutz.
Das Konsortium hat überdies einen interaktiven Virtuellen Assistenten (iVA) entwickelt, der Nutzer*innen dabei unterstützt, die Komplexität datenschutzrechtlicher Regelungen besser zu verstehen und die rechtlichen Möglichkeiten der Datennutzung in ihren Projekten zu erkunden. Das Tool ist speziell auf die Fachbereiche Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften zugeschnitten. Er führt die Nutzer*innen durch einen Entscheidungsbaum mit gezielten Fragen, kurzen Beispielen und präzisen Definitionen. Statt reiner Theorie bietet er praxisnahe Einblicke. Der iVA besteht aus verschiedenen Modulen, die unterschiedliche datenschutzrechtliche Fragestellungen behandeln.
Schulungskurse und -materialien
BERD Academy bietet Weiterbildungsangebote rund um Forschungsdatenmanagement und Datenanalyse, je nach Kurs im Online-, Hybrid- oder Präsenzformat. Die praxisnahen, kostenfreien Kurse richten sich an Interessierte aller Erfahrungsstufen und bieten vielfältige Formate für einen unkomplizierten Einstieg oder gezielten Kompetenzaufbau.
Zitiervorschlag (Chicago)
Redaktion von forschungsdaten.info. „Forschungsdatenmanagement in der Betriebswirtschaftslehre“. forschungsdaten.info, 10. November 2025. Link.